"Der Wiener Concert-Verein klingt wie die berühmten Wiener Philharmoniker, ohne Dirigenten, mit Virtuosität, die es möglich war in der Aula Magna der Universität (Sapianza/Rom) zu bewundern.“
(Auszug aus der Kritik von Franzina Ancona über unser Konzerts am 29. Mai 2017 in der Aula Magna der IUC – "Mozart e Strauss con i Wiener Concert Verein")


Wiener Concert-Verein auf turbulenter Konzertreise in Italien

7. November 2016

Mailand, Italien (Kulturexpresso), von Midou Grossmann

Irgendwie dachte man an die große Vergangenheit der Klassik im Sala Verdi in Milano als der Wiener Concert-Verein, 1987 von Mitgliedern der Wiener Symphonikern gegründet, das Podium betrat. Orchester in einer kleinen Besetzung waren damals vorwiegend anzutreffen. Der Mailänder Konzertsaal befindet sich im Conservatorio di Musica„ Giuseppe Verdi“ und jeder Stein dort erzählt Musikgeschichte.

Dass das Orchester mit seinem Tournee-Dirigenten Ulf Schirmer zuvor turbulente Tage erlebt hatte, war in keiner Weise zu bemerken. Sieben Konzerte in acht Tagen waren geplant, dass dies nicht nur Spaß bedeutet, wusste man vorab, doch beim Auftakt in Vasto konnten die Musiker das schwere Erdbeben, das die Region erschütterte, hautnah miterleben. Das Folgekonzert fand in L’Aquila statt, der Konzertsaal war in eine Notunterkunft für obdachlose Erdbebenopfer umgewandelt worden, der Wiener Concert-Verein musizierte trotzdem erfolgreich, allerdings an einem anderen Ort, für Menschen, die in ihrer Not noch Hoffnung in der Musik finden konnten. Die Konzerte in Campobasso, Neapel und Rom konnten ohne große Störungen stattfinden und in Milano durfte dann auch die Rezensentin grandioses Musizieren erleben.

Wiener Musiker sind immer noch – trotz Globalisierung – eine Klasse für sich und die Mitglieder des Wiener Concert-Vereins bewiesen dies erneut eindrucksvoll. Es gibt eben in Wien zweigroße Orchester und ein Hauch vom Geiste Karajans (Chefdirigent 1948–64) ist bei den Wiener Symphonikern immer noch zu spüren. Spielfreude und technisches Können gehen konform, auch an diesem Abend lassen pointierte Eleganz sowie absolute Topleistungen aller Instrumentengruppen aufhorchen. Dirigent Ulf Schirmer ist mit dem Klangkörper seit Gründung vertraut und es gelingt ihm immer die ursprüngliche Art des Musizierens der Wiener großartig zum Leuchten zu bringen.

Das Mailänder Publikum zeigte sich dankbar und fasziniert, schon nach dem ersten Satz von Haydns Symphonie e-moll Hob:I/44, „Trauersymphonie“ bemerkte man eine positive Stille im Saal, keine Huster störten den meditativen Musikfreund. Haydns Symphonie bestach mit musikalischer Perfektion und hier schon wurde das Publikum gewonnen, das den weiteren Verlauf des Abends mit großer Aufmerksamkeit sowie Sympathie verfolgte.

Ja, dann folgte auch eine Uraufführung: Raffaele Bellafrontes Suite Nr. 2 für Fagott, Gitarre und Streicher. Die vielschichtige romantische auch etwas jazzige Musik forderte erneut eine enorme Virtuosität, die beeindruckend gelang. Wunderbar homogen musizierten auch die Solisten Davide Di Ienno (Gitarre) und Patrick De Ritis (Fagott). Die gute Akustik des Saals verlieh dem Werk einen dunklen Grundton mit samtiger Fülle. Den Namen des Komponisten sollte man sich merken.

Carl Philipp Emanuel Bach kam mit seinem Konzert für Fagott und Orchester nach einer Pause zu Gehör und erneut brillierte hier Patrick De Ritis als Solist. Es war tatsächlich ein Abend, den man nicht missen möchte, der erneut die enorme Kraft der Musik bezeugte. Dass Mozart nicht fehlen durfte, war eine Selbstverständlichkeit und seiner Symphonie Nr. 29, A-Dur, KV 201, fehlte es nicht an Leichtigkeit sowie virtuoser Klangkraft, so dass man für einen Augenblick vergaß in Milano zu sein; mit etwas Fantasie versetzte man sich in das Wien zu Mozarts Lebzeiten, in das Palais des Fürsten Dmitri Michailowitsch Golizyn in der Krugerstraße 10, welches Mozart oft besuchte und mit exquisiten Hauskonzerten bereicherte. Der Abschied von Italien fand dann in Sondrino statt, mit der Einweihung einer neuen Konzertmuschel im Teatro Sociale, bevor es wieder in den Wiener Musikverein zum ausverkauften 1.Abonnementkonzert der neuen Saison ging.

http://kulturexpresso.de/wiener-concert-verein-auf-turbulenter-konzertreise-in-italien/


CAMPOBASSO. von Giovanni Petta (Kritik über das Konzert am 31. Oktober im Teatro Savoia / Campobasso / Italien)

(Übertragung aus dem Italienischen: Mira Weihs)

„Die Technik dient dazu die Natürlichkeit der Geste zu erreichen“. Davide Rondoni, ein zeitgenössischer Dichter, erläutert so die Wichtigkeit des Studiums und der Vertiefung in die Poesie. Diese Behauptung gilt für alle Künste. Das Konzert des Wiener Concert-Vereins war gleichermaßen eine mehrfach fühlbare Demonstration.

Der Klang, der das Publikum im Theater Savoia in Campobasso anlässlich des von Andreina Di Girolamo geführten 3. Saison-Konzertes ergötzte, ist Frucht virtuoser Technik jedes einzelnen Musikers und der punktgenauen und maßgebenden Leitung von Ulf Schirmer.

Haydns e-Moll Sinfonie sowie die A-Dur Sinfonie von Mozart mit unaufgeregter tiefer Einfachheit vorgetragen. Energie und Präzision werden selbst in den sachten Bewegungen zu absoluter Virtuosität. Das Pianissimo füllt die Stille des Theaters und hüllt jeden einzelnen Zuhörer in eine Wolke ekstatischer Schönheit.

Aufsehenerregend das Fagott von Patrick De Ritis im a-Moll Konzert von Carl Philipp Emanuel Bach. Schwierige, jedoch kostbare Musik, selten in den Saison-Konzerten zu hören und gerade deshalb noch mehr begehrt. Hochwertig auch die Leistung von Davide Di Ienno auf der Gitarre gemeinsam mit dem Fagottisten Patrick De Ritis, in der Uraufführung der 2. Suite für Fagott, Gitarre und Streichorchester von Raffaele Bellafronte. Das hier präsentierte Werk des abruzzischen Komponisten findet durch die Qualität und durch die Schönheit des Geschriebenen besondere Anerkennung.

Alles, was das 20. Jahrhuntert im erwähnten Zitat verdichtet, Themen, die in ihrer Originalität der Gitarre und dem Fagott überantwortet werden, die sich ihrerseits dem Klangteppich der Streicher hingeben, um sich ausgehend von deren Wendung einer Dissonanz des ersten Teiles des vergangenen Jahrhundert anzuvertrauen, dann aus der vereitelten Sanftheit des Menschen im neuen Jahrtausend befreien. Bellafronte ist durch seine Fähigkeit Stärke aus der Klassik und dem Respekt vor der Tradition maßzuhalten, nicht jedem alltäglichem Eindruck, der daherkommt, nachzugeben und bei einer ausdrucksstarken Form zu bleiben, tatsächlich ein bedeutender Komponist.

Ein Abend von größter Qualität, der den Weg der 48. Saison der „Amici della Musica“ von Campobasso fortsetzt.



Konzert Kritiken – Festspiele Europäische Wochen, Passau:

3. Juli 2016

Passauer Neue Presse

***Eine große blasende Musik von ganz besonderer Art" wurde Mozarts Serenade KV 361 "Gran Partita" in einer zeitgenössischen Konzertankündigung genannt. Und zweifellos gehört sie – auch aufgrund ihrer einzigartigen Besetzung mit zwölf Bläsern und Kontrabass – zu dessen großartigsten Werken. Wunderbar, wenn man diese gleichermaßen poetische wie prachtvolle Abendmusik auch noch in passendem Ambiente hören darf: Im zauberhaften Schärdinger Schlosspark mit seiner Bilderbuchkulisse.

Mitreißendes Ritt durchmusikalische GenresMitglieder des Wiener Concert-Vereins unter der Leitung von Gerhard Lessky brachten das Werk mit seinen aparten Oboenkantilenen und burschikosen Fagottläufen, den anmutigen Hornklängen und herzigen Klarinetten-Landlern auf berückende Weise zum Klingen und schenkten dem betörten Publikum köstlichsten Musikgenuss.

Misstrauisch erwartete man indes Friedrich Guldas 1981 entstandenes Konzert für Violoncello und Blasorchester, war doch der Österreicher vor allem als non-konformer Exzentriker bekannt. Doch gleich mit den ersten Takten rissen das unter anderem um Drumset und Gitarre (Yvonne Zehner) erweiterte Ensemble und vor allem der brillante Cellist Jakob Spahn das skeptische Publikum mit, auf einem wilden Ritt durch musikalische Genres – Bigband, Bierzelt und Beisl inklusive. Rockige "Ouvertüre", humorvoll-volkstümliche "Idylle", hochvirtuoser Solosatz gespickt mit technischen Raffinessen und Improvisationen, höfisch-barockes "Menuett" und als Abschluss ein grandioses "Finale alla marcia", zum Ergötzen der Zuhörer wiederholt. Ein famoser, fabelhafter Konzertabend mit zu Recht bejubelten Künstlern.

Hildegard Franz

Der Neue Online Merker

Der Wiener Concert-Verein gastierte unter der inspirierten Leitung von Gerhard Lessky bei den Europäischen Wochen Passau im Schlosspark von Schärding. Die exzellenten Bläsersolisten der Wiener Symphoniker und der bravouröse Cellovirtuose Jakob Spahn schürten die Begeisterung der Zuhörer mit dem musikalischen Spaß von Friedrich Guldas Konzert für Violoncello und Blasorchester, dem Mozarts Serenade „Gran Partita“ KV 361 vorausgegangen war. Die Programmkombination passte zum diesjährigen Festivalmotto „reine GESCHMACKSsache“, das die Europäischen Wochen Passau im Hinblick auf die vom Haus der Bayerischen Geschichte im nahe gelegenen Aldersbach präsentierte Landesausstellung „Bier in Bayern“ gewählt haben.

Vom 17. Juni bis 7. August verwöhnen die Europäischen Wochen die Dreiländerregion Ostbayern, Oberösterreich und Südböhmen mit besonderen Kulturschmankerln an 33 Spielstätten. Eine davon ist die Barockstadt Schärding, die heuer ihr 700-jähriges Jubiläum feiert. An dem ausnahmsweise mal warmen und regenfreien Sommerabend lud der Schlosspark am Hochufer des reichlich Wasser führenden Inns die Besucher unter das dichte Blätterdach des alten Baumbestands zum Klangfest.

Für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, zwei Bassetthörner, vier Hörner und einen Kontrabass hat Mozart seine Bläserserenade geschrieben. Die Bläser entfalteten den ganzen Zauber dieses wunderbaren Stückes. Besonders den Adagiosatz in seiner unvergleichlichen Schönheit und Klangfinesse brachten sie zu nobler Wirkung. Lessky führte das Kammerensemble mit leichter Hand, ließ der Musik bei rhythmischer Prägnanz auch Zeit zum Atmen und Ausschwingen. Virtuos brillierten die erste Oboe und Klarinette, teilweise mit lustigen Triolenketten, führend im insgesamt ausgewogenen und transparenten Zusammenspiel des hochrangigen Ensembles. Die Fagotte steuerten, ebenfalls virtuos, den humorigen Teil zur betörenden Klangfarbenpalette bei. Feine Solo- und Duettpassagen glänzten dazwischen mit bemerkenswerten Klangreizen. In den Variationen scheute sich Mozart nicht, auch volkstümliche Melodienfolgen einzuflechten. Da zeigte sich die Oboe auch schon mal als übermütiges Pfeifinstrument. Von so viel Musizierlust ließen sich sogar die Vögel in den Bäumen zum eifrigen Mitzwitschern animieren.

Nach der Pause kam dann voll der Humor und musikalische Spaß zum Tragen. „Kaum einer hat wie Friedrich Gulda so erfolgreich neue Formen der Musik geschaffen“, sagte der Intendant der Europäischen Wochen, Peter Baumgardt, in seinen Begrüßungsworten zum „musikalischen Abenteuer“. Guldas Cello-Konzert ist in der Tat ein Unikum, ein musikalischer Scherz auf hohem instrumentalen Niveau, der den Spielern, allen voran dem Cellosolisten, höchste spieltechnische Fertigkeiten abverlangt. Gulda hat das 1981 in Wien uraufgeführte Konzert für Heinrich Schiff geschrieben und dem namhaften Cellisten gewidmet. Die Komposition vereint Big Band Sound mit gefühlvoller Klassik, scheut nicht vor unvermittelten Stilwechseln und formalen Brüchen zurück. Sie ist für Cello und Blasorchester plus Gitarre, Jazz-Brass, Kontrabass und Schlagzeug geschrieben. Das Konglomerat aus Jazz-Rock, alpenländischer Idylle, Bierzelt-Blechblasmusi, nostalgischer Schubert-Lyrik, betörender Cellokantilene mit Bravourkadenz und fantasievollen Flageolett-Kunststücken ist ein musikalisches Schaustück, das dem Publikum großes Vergnügen bereitete und den Musikern offenbar nicht weniger. Lessky verwandelte sich dabei in einen flotten Rhythmiker, der die Musiker forsch anfeuerte. Der aus Berlin stammende Cellovirtuose Jakob Spahn, der seit 2011/12 Solocellist der Bayerischen Staatsoper München ist, zog alle Register seines instrumentalen Könnens mit fulminanten Bogentänzen und bewundernswerter Griffakrobatik sowie im Ausloten von so ziemlich allem auf dem Cello Spielbaren. Am Ende erntete er zu Recht begeisterten Applausregen, in den alle übrigen Musiker und der Dirigent miteinbezogen wurden. Einziger Wermutstropfen bei diesem Open-Air-Konzert war die Plage der Gelsen, die sich in in einem wahren Stechrausch befanden und die Freude am Zuhören damit nicht unerheblich beeinträchtigten.

E.A.

20.05.2016

Badische Neueste Nachrichten

„ … Lorenzo Viotti tritt vor den Wiener Concert-Verein und lässt mit Dmitri Schostakowitschs Walzer Nr. 2 einen kraftvollen Auftakt für sich sprechen. Was für eine Freude, solch Harmonien derart unverfälscht lauschen zu können." "Zirpende Violinen lässt Viotti auf vollmundige Celli treffen, und schafft dabei einen Haydn, der die Melancholie nicht verleugnet, ohne dabei an Progressivität einzubüßen.“

"Ein jubelndes Publikum ist Zeuge!“

Von Markus Mertens

19.05.2016

Kölnische Rundschau

Der Wiener Concert-Verein, Alison Balsomund Kit Armstrong überzeugten in Köln unter der Leitung von Lorenzo Viotti mit Werken von Schostakowitsch und Haydn

"Das brillante Orchester orientierte sich übrigens nur teilweise an der Non-Vibrato-Praxis, für Puristen vielleicht kritisierbar, für das Klangbild aber belebend."

"Der Wiener Concert-Verein unter Lorenzo Viotti: furios."

Von Christoph Zimmermann

07.02.2014

USA, State Theater, New Brunswick, Outinjersey.net, Ralph Malachowski

Was zu einem läppischen Wegwerfprodukt werden hätte können, hier in den Händen der Wiener wurden die Walzer zu unschätzbaren Juwelen. Klarheit, Charakter und idiomatisches Spiel verliehen den Stücken Außergewöhnliches.

Beginnend mit Lehar's "Piave Marsch" (auch bekannt als "106er Regimentsmarsch"), erreichte das Orchester atemberaubend den Höhepunkt in Ausdruck und Ausführung.

Dann kam Johann Strauss II's "Frühlingsstimmenwalzer", op. 410. Die Zuhörerschaft war entgeistert. Ihre Seufzer und Rufe ertönten laut. Auf ihrem Erfolg aufbauend, spielte das Orchester zwei weitere Strauss Werke; "Leichtes Blut," Polka Schnell, Op. 319, dann die "Annen-Polka," Op. 117. Beide waren erstaunlich.

Zum Abschluss des Programms brachten die Wiener "Wiener Blut", op. 354. Das Publikum applaudierte dem Orchester lautstark für seine großartige Vorstellung. Der Enthusiasmus der Zuhörer war so groß, dass das Orchester noch zwei Zugaben spielte.

Das war ein Ereignis höchsten musikalischen Könnens, das man keinesfalls missen möchte.


Entremont und die "Wiener " bringen Gemütlichkeit nach New Brunswick

Verfasst von Ralph Malachowski Friday, 07 February 2014

Das Murmeltier sah seinen Schatten, was soviel bedeutet wie noch sechs Wochen Winter. Jedoch der Wiener Concert-Verein unter der Leitung von Philippe Entremont ließ uns das am 2. Februar im State Theater von New Brunswick vergessen.

Der Wiener Concert-Verein wurde 1987 von Mitgliedern der Wiener Symphonikern gegründet. Spezialisiert auf Orchesterwerke der Wiener Klassik bis zur zeitgenössischen österreichischen Musik, konstatiert das Orchester stolz, dass es mehr als 65 Werke österreichischer zeitgnössischer Komponisten uraugeführt hat. Dieses Konzert bildete keine Ausnahme.

Ein neues Werk, nicht im Programm gedruckt, wurde als die erste Wahl angekündigt, übertitelt "Die launische Forelle", eine Reihe moderner Variationen auf das klassische Schubert Lied "Die Forelle". Einige Zuhörer könnten Referenzen an Schönberg, Berg und möglicherweise auch (obgleich nicht speziell Österreichisch) Aaron Copland wahrgenommen haben. Der Titel leitet sich aus dem Text des Gedichts ab, zudem das LIed komponiert wurde: "In einem Bächlein helle, da schwamm in froher Eil/die launische Forelle, vorüber wie ein Pfeil." Das moderne Stück wurde mit lauwarmem Applaus anerkannt.

Schubert's Symphonie No. 5 folgte. Strahlend gespielt, nuanciert schattiert, zeichnete sich die Aufführung ohne jemals oberflächlich zu sein, mit totaler Hingabe an die alte Schule aus. Befremdend: Viele aus der Zuhörerschaft bestanden darauf nach jedem Satz der Symphonie zu applaudieren, obwohl der Dirigent um dies zu stoppen seinen Dirigentenstab erhob. Die einzige Antwort könnte sein, dass es für viele der Zuhörer das erste Konzert war, was auch den auffälligen Mangel an Etiquette in der Zuhörerschaft erklären könnte. Tratschen, zahlreiche Zuckerln auspacken, Handy benützen und Sitze während der Vorstellung verlassen, waren Gemeinplätze.

Mozart's selten gespieltes Konzert für zwei Klaviere in Es-Dur, KV 365, wurde von Herrn Entremont und Sebastian Knauer am zweiten Klavier interpretiert. Ich gestehe, an Herrn Entremont's Fähigkeit dieses Werk aufzuführen, gezweifelt zu haben, jedoch meine Angst war unbegründet. Beide, Herr Entremont und Herr Knauer spielten belebend und wunderschön. Mir erschienen die letzten 40 Jahre seit ich Herrn Entremont das letzte Mal als Solisten gehört habe, als wäre es erst gestern gewesen.

So gut auch die Schubert Symphonie und das Mozart Konzert waren, die Überraschung blieb bis nach der Pause. Was zu einem läppischen Wegwerfprodukt werden hätte können, hier in den Händen der Wiener wurden die Walzer zu unschätzbaren Juwelen. Klarheit, Charakter und idiomatisches Spiel verliehen den Stücken Außergewöhnliches.

Beginnend mit Lehar's "Piave Marsch" (auch bekannt als "106er Regimentsmarsch"), erreichte das Orchester atemberaubend den Höhepunkt in Ausdruck und Ausführung.

Dann kam Johann Strauss II's "Frühlingsstimmenwalzer", op. 410. Die Zuhörerschaft war entgeistert. Ihre Seufzer und Rufe ertönten laut. Auf ihrem Erfolg aufbauend, spielte das Orchester zwei weitere Strauss Werke; "Leichtes Blut," Polka Schnell, Op. 319, dann die "Annen-Polka," Op. 117. Beide waren erstaunlich.

Zum Abschluss des Programms brachten die Wiener "Wiener Blut", op. 354. Das Publikum applaudierte dem Orchester lautstark für seine großartige Vorstellung. Der Enthusiasmus der Zuhörer war so groß, dass das Orchester noch zwei Zugaben spielte.

Das war ein Ereignis höchsten musikalischen Könnens, das man keinen Falls missen möchte.

16.07.2012

Passauer Neue Presse

Lang lebe der Konzertmeister!

Wäre da nicht an der ersten Violine der Konzertmeister Franz Michael Fischer gewesen, so müsste man diese Veranstaltung eine glatte Enttäuschung nennen. Denn er war es, der zum Ende hin seine Kollegen mittriss und den Abend über eine traurige Mittelmäßigkeit hinausrettete. Heinrich Schiff stand am Dirigentenpult, wurde aber seinem Weltruf nicht im Ansatz gerecht. Er hob aus der Partitur nie etwas hervor, unterstrich nichts und bildete keinen eigenen Klang. Dann aber kam als große Rettung die Streicherserenade in C-Dur von Peter I. Tschaikowsky, und Franz Michael Fischer tat gut daran, beherzt und energisch in das Musikgeschehen einzugreifen, sich noch mehr seinen Orchesterkollegen zuzuwenden, sie mitzureißen und den Wiener Concert-Verein im letzten seiner Konzerte als Orchestra in Residence bei den Festspielen leidenschaftlich auf die Höhe zurückzuführen, die man von ihm gewohnt ist. Nun war es sprühendste Musikalität und jeder Ton überbordende Freude und Begeisterung. Alle nachschöpferische Kreativität leisteten allein diese Musiker und aus einem monochromen Einerlei war ein buntfarbiges Gemälde geworden. Den Instrumentalisten sei Dank.

Stefan Apfelbeck

10.07.2012

Passauer Neue Presse

Zu einer Weihestunde können die Auftritte des Wiener Concert-Vereins werden.

Dieses Orchester steht so hoch und lässt so vieles hinter sich, dass es eines außergewöhnlichen Dirigats bedarf, um noch mehr Ausdruck und Leidenschaft klangbar werden zu lassen, um noch mehr aus den Musikern herauszufordern. Dieses "Orchestra in Residence" hat in den letzten Tagen gezeigt, dass seine Konzerte zu einer Weihestunde werden können, zu einem Bad in Lebendigkeit. Denn was nach der Pause zu hören war, ging ja noch viel weiter über romantische Tonalität hinaus. György Ligeti verlangte einem mit seinen Ramifications aus dem Jahr 1968 ein völlig neues Hören ab. Ein dissonant gestimmtes Orchester webt einen Klangteppich und man hielt den Atem an, war gepackt und gefesselt von diesem Neuen, Ungewohnten, selbst die Generalpause am Ende des Stückes hatte Energie. Es war die Lust am Experiment. Am eindringlichsten aber war das Orchester mit Bela Bartóks Divertimento für Streicher. Hier, und v. a. im Adagio, türmte es massive Gebirge auf, jeder Ton war ein Ereignis.

07.07.2012

Passauer Neue Presse

Con fuoco, mit Feuer, so ist der erste Satz aus Antonín Dvoráks Streichquintett in G u?berschrieben und wörtlicher, also feuriger lässt sich diese Spielanweisung kaum noch deuten, als es die fünf Solisten des Wiener Concert-Vereins am Donnerstagabend im Festsaal des Schlosses Mariakirchen vorührten. Den Musikern genu?gte es nicht, allein Dvoráks Noten kunstvoll wiederzugeben, nein, sie reisten durch seine Seele, scheuten auch vor dunklen Flecken nicht zurück und wollten zusammen mit ihrem Publikum eben diese Gefühlseruptionen und -felsstürze erneut durchleben, die Dvorák seinerzeit zu dieser Komposition zwangen. Alles war, wie vortreffliche Kammermusik zu sein hat, distanz- und maskenlos, echt und tatsächlich, und unmittelbar gespielt in die Herzen der Zuhörer. So kahl und nackt, ja so wenig festlich der Saal des Mariakirchener Schlosses war, so eindeutig lenkte er alle Aufmerksamkeit auf die Musik und diese konnte, zumindest im ersten Teil des Abends, sowohl in ihren explosivsten wie in ihren lieblichsten Passagen klaffende Wunden reißen, konnte Trauer, Heilung und Segen sein; sie ließ einen niemals los, forderte nicht wenig und verschenkte sich doch vollkommen: es gab keine Welt mehr, nur noch Musik. Das Leben wurde Empfindung und Klang.

06.07.2012

Passauer Neue Presse

Zudem war in jeder Note wieder diese Freude am Musizieren zu hören, diese Lust, dieses Bedürfnis, ein Musiker sein zu müssen, dieses Glück, einer sein zu dürfen. Beim abschließenden Mozart, der Symphonie Nr. 29 in A, blieben keine Wünsche mehr offen, ein alle umstrahlendes Feuerwerk. Die Zuhörer bedankten sich bei den Künstlern mit stehenden Ovationen, tosendem Applaus und erklatschten sich insgesamt 3 Zugaben. Solche Konzertabende sind ein Himmelsgeschenk.

02.07.2012

Passauer Neue Presse

Die Orchestermusiker entfernten kunstreich den klebrigen Zucker überkommener Hörgewohnheiten und tischten den aufmerksamen Zuhörern reinsten Strauß auf, transparent gezeichnet, gut durchhörbar, mal frech und burlesk, mal erhaben und elegisch, aber immer reinstes Vergnügen. Vor allem beim folgenden Valse triste op. 44/1 von Jean Sibelius, nun in der großen Besetzung, berührte die besondere Klangfarbe dieses Orchesters, ein Klang, den man erdig und warm nennen möchte. Hingehauchte Töne, zart und zerbrechlich, fließend in den Raum getupft wie dunkle Farbe auf ein Aquarell, eine Musik aber auch, die, trotz aller Walzerseligkeit, so viel Dramatisches und Ernsthaftes in sich trägt. Man spürte, dass die Musiker Freude hatten an dieser Literatur, spürte, dass sie an jede einzelne Note glaubten.